
Oberbayerischen Seen und Salzburger Land
Diese Tour widmet sich den Seen Oberbayerns mit Abstechern in das Salzburger Land und nach Tirol. Der Start ist wahlweise in Saalbach oder am Chiemsee.
Bayerische AlpenMotorradregion Bayerische Alpen8 Strecken · 13 Pässe
Der Motorrad-Guide in den Bayerischen Alpen: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Die Bayerischen Alpen sind der einzige Hochgebirgsstreifen Deutschlands: ein schmales Band entlang der österreichischen Grenze, das vom Lech im Westen bis zur Saalach im Osten reicht. Zwischen dem flachen Alpenvorland und dem Alpenhauptkamm reihen sich die Teilgebirge aneinander — die Allgäuer Alpen um Oberstdorf und Bad Hindelang, die Ammergauer Alpen, das Wettersteingebirge mit der Zugspitze (2962 Meter, höchster Berg Deutschlands, an der Grenze zu Tirol), das Karwendel, das Mangfallgebirge, die Chiemgauer Alpen und ganz im Osten die Berchtesgadener Alpen. Dazwischen graben Loisach, Isar und Inn tiefe Täler, an deren Flanken die Passstraßen ansetzen. Fürs Motorrad heißt das vor allem eins: kurze Wege, dichtes Streckennetz, fast alles in Tagesschleifen erreichbar.

Das Rückgrat der Region ist die Deutsche Alpenstraße, mit rund 484 Kilometern die älteste Ferienstraße Deutschlands, deren Idee bis 1927 zurückreicht. Sie verbindet Lindau am Bodensee mit dem Königssee bei Berchtesgaden und fädelt dabei über ein Dutzend Bundesstraßen zu einer durchgehenden Ost-West-Achse zusammen. Wer ihr folgt, fährt selten lange geradeaus: Die Route sucht bewusst die Höhenlinien, die Seeufer und die Sättel — und an ihnen hängen die bekanntesten Kurvenreviere der Bayerischen Alpen.
Der Streckencharakter wechselt auf engem Raum. Im Allgäu klettert die Jochstraße als B308 über den Oberjoch (1178 Meter); die Auffahrt ab Bad Hindelang wurde um 1900 mit 106 Kehren in den Hang gelegt und ist bis heute der klassische Kehren-Prüfstein der Gegend. Wenige Kilometer weiter liegt mit dem Riedbergpass (Passhöhe 1342 Meter) der höchste befahrbare Gebirgspass Deutschlands — zwischen Obermaiselstein und Balderschwang, streckenweise mit bis zu 16 Prozent Steigung. Das ist Allgäuer Fahren im Reinformat: steile Rampen, enge Radien, viele Höhenmeter auf kurzer Distanz.
Weiter östlich zieht die B307 über das Sudelfeld auf rund 1100 Meter und fällt in engen Serpentinen am Tatzelwurm hinab nach Oberaudorf ins Inntal. Dieselbe B307 quert weiter innen den Achenpass (941 Meter) hinüber Richtung Tirol. Und zwischen Kochelsee und Walchensee windet sich die kurze, berühmte Kesselbergstraße (B11, Scheitel 858 Meter) in dichter Kehrenfolge den Hang hinauf — auf gut acht Kilometern ein Konzentrat aus allem, was einen Alpenpass ausmacht.

Zwischen München und dem Inntal ballt sich im Mangfallgebirge das dichteste Kurvennetz der Region. Rund um Tegernsee, Schliersee und Spitzingsee liegen die Anfahrten so nah beieinander, dass sich an einem Tag mehrere Sättel aneinanderreihen lassen — für viele Fahrer aus dem Großraum München das Wochenend-Revier vor der Haustür. Die Straßen sind hier kurz, steil und oft eng, mit schnellem Wechsel aus Wald, Almwiese und Seeblick. Wer es ruhiger mag, hängt die lange Talachse durch den Isarwinkel an: von Lenggries am Sylvensteinstausee vorbei bis zum Achenpass, ein gleichmäßiger Kurvenfluss ohne die harten Rampen der Hochpässe.
Im Zentrum, im Werdenfelser Land um Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald, steht das Wettersteingebirge mit dem Zugspitzmassiv als Kulisse über fast jeder Kurve. Von hier führt die B23 über den Ettaler Berg hinauf ins Ammergau — eine gleichmäßige, gut ausgebaute Bergstrecke, die die Loisach-Seite mit der Ammer-Seite verbindet. Der Kontrast ist typisch für die Bayerischen Alpen: hohe, kahle Kalkwände direkt neben weichen, bewaldeten Hügelzügen, dazwischen immer wieder der Blick auf einen der Gebirgsseen.
Wo die Bundesstraßen aufhören, fangen die Panoramasträßchen an. Die Rossfeldpanoramastraße über dem Obersalzberg ist mit 1570 Metern die höchste durchgehende Straße Deutschlands; sie läuft als Ringstrecke über den Kamm, teils sogar über österreichisches Gebiet, und öffnet den Blick auf Watzmann und Hohen Göll. Solche Mautstrecken sind keine Verbindungsstraßen, sondern reine Aussichtsschleifen — angelegt, um oben zu sein, nicht um irgendwo anzukommen.

Das Fahrgefühl lebt vom Gegensatz zweier Welten. Im Voralpenland rollen weite, schnelle Bögen über die Moränenhügel, vorbei an Tegernsee, Kochelsee und dem türkisgrünen Walchensee, einem der tiefsten Alpenseen Deutschlands. Sobald die Straße aber in den Kalk einbiegt, wird es eng, steil und technisch: kurze Radien, spürbares Gefälle, Felswände dicht am Fahrbahnrand. Dieser Wechsel aus flüssigem Landschaftsfahren und konzentriertem Kehrenfahren macht das Revier aus — man springt im Halbstundentakt zwischen Genuss und Arbeit am Lenker.
Nach Osten öffnet sich das Bild noch einmal. Durch die Chiemgauer Alpen führt die B305 von Reit im Winkl über Ruhpolding und Inzell Richtung Berchtesgadener Land — waldreiche, gleichmäßige Streckenführung mit weniger Höhenmetern, dafür langem Kurvenfluss. Am äußersten Ende steht die schroffe Kulisse um Watzmann und Königssee, der dramatischste Abschluss des Gebirges. Im Westen dagegen, um Füssen und Schwangau, ist der Charakter sanfter: der Alpenrand mit seinen Seen und Schlössern, wo die großen Wände erst dahinter aufsteigen.
Das Wetter gehört in die Planung. Bei Föhn reicht die Fernsicht oft bis zum Hauptkamm, und die Kalkwände stehen glasklar im Licht; Gebirgswetter kann dafür rasch umschlagen, und die höchsten Sättel tragen bis in den späten Frühling Schnee. Die verlässliche Saison reicht vom späten April bis in den Oktober — mit Regenzeug im Gepäck und einem Blick auf die jeweilige Höhenlage lassen sich auch Schlechtwetterfenster überbrücken. Wer früh startet, hat die Kehren am Morgen meist für sich allein.

Unterm Strich ist das Revier der Bayerischen Alpen kompakt, abwechslungsreich und dicht erschlossen: eine Handvoll klassischer Pässe, dazu Seeufer, Panoramaschleifen und lange Talachsen, alles zwischen Bodensee und Salzburger Grenze auf kurzer Distanz. Kein einzelner Superlativ trägt die Gegend — es ist die Vielfalt auf engem Raum, die sie zu einem der lohnendsten Motorradreviere nördlich der Alpen macht.
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